Autorin: Kathrin Behrens, 21.11.2019 

Wie alles begann • Am 22. November 2019 eröffnet Sprungbrett, die neue Art Galerie in Potsdam. Schuld hat ein kleines Mädchen. Eine Geschichte, die erzählt werden will: Im Juni 2017 schlenderte ich in Potsdam durch eine Wohnstraße. Ein wenig den Frühsommer genießen. Im Gegensatz zu sonst, ich bin meist auf eiligen Sohlen unterwegs, war mein Schritt langsam. Und so sah ich, was gesehen werden wollte: Ein kleines blasses Mädchen mit dunklem Haar, rüschig weißer Bluse, einem olivfarbenen Kleid und einer Schürze. Mit nackten Füßen stand es in einer Mohnblumenwiese und starrte mich an. Ich hielt inne. Dieses Mädchen auf dem Bild an einer rauen Betonwand im Inneren eines Hauses sprach mit mir, wortlos. Ich war überwältigt von ihrer Energie, die durch das Fenster hinaus zu mir auf den Bürgersteig strahlte. Welch Power auf Leinwand gemalt, was für ein herausragender Höhepunkt einer Wohnung. Mir wurde vor Augen geführt, was ein Bild mit einem Innenraum macht. Es macht ihn besonders, tief, bedeutend. Ich wurde neugierig: Wer hatte dieses Werk geschaffen? Spontan klingelte ich, um zu fragen. Und lernte nicht nur den Namen der Künstlerin Melora Kuhn, sondern auch Sandra Schindler, meine heutige Geschäftspartnerin kennen. 

Wem sonst als dem Schicksal ist es zuzuschreiben, dass sich auf diesem Weg zwei Frauen treffen, die eineinhalb Jahre später ein gemeinsames Business gründen? Manchmal soll es so sein, dass Kunst Menschen zusammenbringt. Es dauerte ein paar gemeinsame Cappuccinos und Croissants bis wir feststellten, dass jede die Idee einer Galerie längst in sich trug: Sandra als ausgebildete Kunst-Expertin, ich als passionierte Liebhaberin mit Lust auf Neues. Wir trafen uns regelmäßig, feilten am Konzept: Anders wollten wir sein, als die klassischen Galerien. Kein „Whitecube“, der Kälte ausstrahlt. Neu denken, alte Strukturen überwinden. Einen Ort entstehen lassen, ganz ohne Etikette. Einen, an dem man gerne verweilt, kunststöbern und sich austauschen mag. Wir sinnierten darüber, zeitgenössische Kunst mal anders zu präsentieren und eine vorsichtige Verbindung zwischen Werk und Lebensraum zu schaffen. Unsere Mission sollte es sein, den Menschen sympathisch nahebringen, wie Wände sich wandeln können – Zuhause, im Business, in öffentlichen Räumen. 

Wir recherchierten, diskutierten und hinterfragten die herkömmlichen Galeriekonzepte, auf der Suche nach einer individuellen Positionierung. Kunst sollte bei uns nicht zum Spekulationsobjekt werden, nicht die Lebensläufe der Künstler fokussieren, sondern das Bild. Die Idee schliffen wir weiter: Wir würden demokratischer sein, das Spektrum öffnen, ein Sprungbrett sein, für viele Künstler – Newcomer, Quereinsteiger und Etablierte. Mit fairen Preisen. So wuchs Schritt für Schritt das, was jetzt Realität ist: Sprungbrett, unsere Galerie in Potsdams Mitte, in Laufweite zum Holländischen Viertel und zum Museum Barberini, wo eines der großen kulturellen Herzen dieser Stadt schlägt. Und das alles nur wegen dem kleinen Mädchen im roten Blumenmeer.


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