Autorin: Kathrin Behrens, 29.11.2019 

Ahmed Ramadan ist ein Mensch, der beeindruckt. Er ist groß, ganz schön groß, seine Haare sind wuselig, seine Brille ist auffällig, dennoch nimmt man sie kaum wahr. Denn Ahmeds Gesicht prägen seine Augen. Diese leuchten sein Gegenüber an, sie strahlen in den Raum als gehöre die Welt ihm, als sei er schon immer glücklich gewesen. Trifft man den Künstler heute, ahnt man nicht, was hinter ihm liegt: Ahmed Ramadan wurde 1988 in Syrien geboren, wo er nach dem Abitur an der Universität der Künste von Damaskus begann Kunst zu studieren – in einer Welt, in der der Staat Meinungsfreiheit, politische Kontroversen und auch freie Kunst unterdrückt und verfolgt. Kurz nachdem die Menschen in Syrien auf die Straße gingen, um gegen dieses System der Unterdrückung zu demonstrieren, kam es zu einem großen Einschnitt in seinem Leben: Bei einer Autofahrt wurde der junge Student von der Polizei aufgegriffen und ins Gefängnis gebracht, wo er sich 24 Stunden in den Händen verschiedener Geheimdienste befand. Die hautnahe Erfahrung von Unmenschlichkeit war für ihn eine Zäsur. Ahmed Ramadan emigrierte er nach Deutschland, wo er nach drei Jahren als Student der Bildenden Künste an der Universität der Künste in Berlin (UdK) aufgenommen wurde und im Sommer 2019 als Meisterschüler absolvierte. 

Wir haben Ahmed in seinem Berliner Atelier besucht, wo er uns seine Bilder präsentierte, die Geschichten erzählen: „Grenze bei Kilis“, ein Foto auf Papier von 2016, nebelig. Das Foto war ursprünglich mit Menschen bevölkert; Ahmed hat diese mit dem Fingernagel weggekratzt. Die „Zeitlinien“ von 2017, ein Druck in vier Teilen: Eine syrische Stadt, dicht bebaut, wird auf den Folgebildern leerer, abstrakter, unwirklicher. So wie der Krieg die Leben, Architektur und Landschaften in seinem Heimatland Schritt für Schritt zerstört. 

Für uns ist es eine Ehre, Ahmed Ramadan auszustellen. In unseren Räumen in der Charlottenstraße 86 in Potsdam präsentieren wir ein Triptychon „Abkürzung einer Ewigkeit 1-3“, das er 2012 auf der Grundlage seiner Erfahrungen im Gefängnis schuf. In seiner zarten gar lyrischen Arbeit auf Papier verarbeitet er die verschiedenen Stationen seiner Haft, abstrakt. Die Bilder sind von verschiedenen Grautönen geprägt. Kennt man Ahmeds Geschichte, gewinnen die Strukturen an Tiefe. Man ahnt, dass die Quelle der Energie, mit der die Bilder gemalt wurden, bewegende Seelenereignisse sind. Gleichzeitig jedoch strahlen die Werke Positives aus: Kleine Farbflecken tanzen im Dunklen, sie spenden Optimismus, lassen Fröhlichkeit und Hoffnung vermuten. So ist er, der Mann mit den leuchtenden Augen mit einer transnationalen Vision: “Mein Wunsch ist es, dass es eine Welt ohne Grenzen gibt.“ Ahmed Ramadan ist nicht nur gedanklich auf dem Sprung nach vorn. Er wird seinen Weg machen, zielstrebig und geradlinig. Bald, sehr bald.  

Bei Sprungbrett in der Ausstellung (auch einzeln zu erwerben):
Abkürzung einer Ewigkeit I-3 I 2012 I 120 x 73 cm
Acryl, Öl, Tusche auf Papier auf Leinwand 

Preise/Stipendien

2019 

  • Art Residency in der Villa Kult, Berlin
  • St. Moritz Art Academy (St.Moritz /Schweiz)

2018 

  • Diffring-Preis für Bildhauerei

Einzelausstellungen

2019

  • 22. Kunstsalon Fliegel+Weisheit, Berlin 
  • Zwischenräume – Erinnerungen an die Gegenwart, Galerie Kult Art 
  • Ahmed Ramadan, Kommunale Galerie Berlin (Berlin)


Ausstellungsbeteiligungen

2019                

  • Contact, Palazzo Jules Maidorff (Florenz)
  • Rundgang, Universität der Künste (Berlin)
  • A Journey of Belonging II (Berlin) 
  • Studenten der UdK und Prof. Robert Lucander, Atala GmbH & Co.KG (Berlin)

2018                

  • Gelb (yellow), Bar Babette (Berlin)
  • Experiment Druckgrafik, Studio Bildende Kunst, Villa Skupin (Berlin)
  • Neue Balance, Quer Galerie, Universität der Künste (Berlin)
  • Rundgang, Universität der Künste (Berlin)

2017

  • Lucky Freeze ll, Akademie der Künste (München)
  • A Journey of Belonging, Galerie Positions (Berlin)
  • TRANSFORMATION, Wilhelmsaue (Berlin)
  • Rundgang, Universität der Künste (Berlin)
  • Mosaik Syrien, Gut Altenkamp (Papenburg)
  • … KRRRRZZZ, Burg Dringenberg (Bad Driburg)
  • Lucky Freeze, Quer Galerie, Universität der Künste (Berlin)
  • Junge Kunst macht Schule, Galerie subject object (Berlin)

2016

  • Rundgang, Universität der Künste (Berlin)

2015                 

  • ndo, Museum Jorge Rando (Malaga/Spanien)
  • barfuß, Urbanraum (Berlin)
  • Rundgang, Universität der Künste (Berlin)

2014                 

  • KunstStoff Syrien 2
  • Rundgang, Universität der Künste (Berlin) 

2012                 

  • KunstStoff Syrien − Ein- und Ausblicke in ein zerrissenes Land, 
    Forum Factory (Berlin)

Curator

2017                 

  • A Journey of Belonging, Galerie Positions (Berlin)
  • Mosaik Syrien, Gut Altenkamp (Papenburg)

2012                 

  • KunstStoff Syrien − Ein- und Ausblicke in ein zerrissenes Land, 
    Forum Factory (Berlin)

Education

2019 

  • Abschluss der Meisterklasse bei Prof. Lucancer, Universität der Künste (Berlin)
  • Student der Bildenden Kunst an der Universität der Künste Berlin (Berlin)

2009 – 2011 

  • Student der Bildenden Kunst an der Universität der Künste  (Damaskus/Syrien)

Kommentar verfassen