Autorin: Kathrin Behrens, 06.12.2019 •

Ursprünglich wollte Su Weiss Architektin werden. Ihr Vater, der selbst im Hochbau und Stadtplanung tätig war, hatte sie als Kind oft mitgenommen. Er zeigte ihr Bauwerke, erklärte ihre Komposition und schulte seine Tochter, diese sicher zu erfassen. Das sollte ihren Lebensweg nachhaltig beeinflussen: „Mein Vater hat mir viel beigebracht. Den ästhetischen Blick auf Formen und Bedingungsgefüge ebenso wie einen feinfühligen Sinn für Stimmigkeit“, sagt Su Weiss heute. So schien es eine logische Konsequenz, dass die in Bayern geborene Künstlerin sich an der Fachhochschule in München für Architektur einschrieb. Nach dem Vordiplom jedoch kamen Zweifel, ihr Studium erschien ihr zu technisch und wenig gestalterisch. Sie machte ein Staatsexamen in Kunst und Religion an der Universität Nürnberg und schließlich einen Master an der Akademie für Malerei in Berlin.

Spricht man mit Su Weiss über ihre Kunst, funkeln diese Bausteine ihres Lebenslaufs auf: „Meine Bilder haben sehr viele Schichten“, erklärt sie. Natürlich schwinge da auch Religiöses mit. Und eben die Ästhetik, die ihr bereits als Kind vermittelt wurde. Architektonische Formen, Schattenrisse und Flächen spielen noch immer eine große Rolle. Bildideen findet die Künstlerin in ihren Collagen und Fotos oder in der Pleinair-Malerei. Ihre Werke sprechen eine sehr individuelle Sprache: Su Weiss treibt den Pinsel mit Öl über die Leinwand, fügt eine Schicht der anderen hinzu, bis sich eine einzigartige Komposition ergibt. Dabei setzt sie große Flächen neben kleine Formen, scharfe Kanten an weiche Verläufe, inszeniert Farb- und Lichtkontraste, bis das Bild in seiner Einzigartigkeit zu strahlen beginnt. Akzente setzt sie mit feinen Linien und neonfarbenen Farbtupfern. Die Künstlerin: „Ich arbeite auf einen Punkt hin, an dem das Bild kurz vor dem Kippen steht, ein Moment innerer Spannung. Würde man einen Teil verändern, wäre es entweder zu langweilig oder zu grell. Wenn das Bild unabhängig von mir geworden ist, dann weiß ich, dass es fertig ist.“

In unserer aktuellen Ausstellung in der Charlottenstraße 86 hängen einige von Su Weiss Werken. Sie sind farbenprächtig, ausdrucksstark, präsent. Lebt man mit ihnen in vier Wänden, scheinen sie auf magische Weise mit einem zu interagieren. Sus Arbeiten verwandeln einen Raum und sie scheinen sich selbst zu verändern: Jeden Tag stechen andere Achsen und Akzente ins Auge. Neue Farbflächen, neue Tupfer, neue Effekte. Ein Bild, das gestern noch optimistisch schien, kehrt heute seine dunkle Seite nach vorne. Immer wieder fasziniert hinter der wohl konstruierten Form das Formlose, die vielen Schichten beginnen zu schwingen. Fast magisch erscheint dieser visuelle Dialog. Im ganzen Spiel des Betrachtens wird eines schnell klar: Wie gut es war, dass Su Weiss, einige Zeit ihrer Ausbildung der Architektur gewidmet hat. Und wie überzeugend ebenso, dass sie dann ihren Weg zur Kunst gefunden hat. 
Siehe auch: https://www.suweiss.com

VITA

2019 – Mitglied im Verein „Neues Atelierhaus Panzerhalle“, Potsdam
2019 – Mitglied im Kunstverein „KunstHaus Potsdam e.V“
2018 – Masterabschluss, Akademie für Malerei, Berlin
2018 – Öffentliche Präsentation, Ernennung zur Meisterschülerin von Ute Wöllmann
2013 – Öffentliche Präsentation anlässl. der Aufnahme ins Masterstudium an der Akademie für Malerei
2012 – Teilnahme Messe Preview Berlin
2011 – Öffentliche Präsentation anlässl. der Aufnahme ins Hauptstudium an der Akademie für Malerei
2010 – Studium der Malerei, Akademie für Malerei, Berlin
2003 – Staatsexamen Kunst und Religion, Universität Nürnberg
1995 – Vordiplom Architektur, FH München1973 – geboren in Nürnberg



 



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