Autorin: Kathrin Behrens, 7. Februar 2020 •

Simone Westphal lässt Tote auferstehen. Mehrere Millionen Nadelstichen braucht es und unzählige Tagewerke, bis ein Körper Haltung einnimmt und ein Gesicht mit wachem Blick sein Gegenüber anschaut. Die Künstlerin hat sich der Filzkunst verschrieben, dies ist eines ihrer Spielfelder neben der Malerei. Sie fertigt aus Filz Figuren, meist bereits verstorbene Persönlichkeiten wie Andy Warhol, Egon Schiele  oder Oscar Wilde, aber auch Lebende wie Neo Rauch und Greta Thunberg. Sie ist damit eine der wenigen Vertreterinnen dieser Kunstsparte weltweit.

SchieleFoto:  Egon Schiele (* 12. Juni 1890 in Tulln, Niederösterreich; † 31. Oktober 1918 in Wien)

Westphal lebt und arbeitet in Potsdam. Das Zentrum ihres Wirkens befindet sich im Rechenzentrum in der Innenstadt, wo neben ihr weitere 250 Kunstschaffende aktiv sind. Wer das Gebäude betritt, wird von Kargheit begrüßt und Beton, sehr viel Beton. In den langen Gängen jedoch pulsiert Leben, Skulpturen, wandfüllende Gemälde aus Öl oder Acryl markieren die Wege. Simone Westphals Atelier ist von mythischen Wesen gerahmt, die auf den Besucher herabschauen; sie sind ebenfalls gefilzt. Sie scheinen den Eingang zu bewachen, durch den man in das Reich der Künstlerin kommt: „Ich hatte mal eine Schaffensphase, in der ich mich auf Figuren aus der Mythologie konzentriert habe“, lacht Westphal beim Eintritt: „Eigentlich wollte ich längst wieder daran anknüpfen, aber dann kam die Eingebung dazwischen, Ikonen zu filzen. Für die Fülle meiner Ideen bräuchte die Woche mehr Tage.“ Die 1971 in Trier geborene Künstlerin ist ein sprudelnder Quell an Kreativität und Lebensfreude. Ihr Atelier ist zugestellt mit Ölbildern. Ein Sujet, dem sie sich derzeit verschrieben hat, sind Regenmotive: Menschen, die mit Regenschirmen Straßen überqueren, in bunten Kleidern, plötzlich vom Schauer überrascht. Die Bilder sind verwischt, als würde man sie durch die Windschutzscheibe eines fahrenden Autos wahrnehmen. Je weiter man sich vom Gemälde entfernt, so realistischer wirkt die Szenerie.

10504Foto: Regenbild Schauer III I 80 x 100 cm I Öl auf Leinwand

Simone Westphal ist ein Tausendsassa mit einem Lebenslauf, der sie prägte. Bevor sie während Ihres Studiums der Freien Malerei an der HBK Saar bei Professor Bodo Baumgarten arbeitete, studierte sie in Köln Kunst auf Lehramt. Drei Jahre lebte sie anschließend in den USA, wo sie verschiedene Kunstprojekte leitete und sich in New Mexiko erstmalig Filztechniken widmete. Die „Kachina Dolls“ der Indianer, die als Mittler zwischen den Menschen und der Welt der Geister dienen, inspirierten sie nachhaltig. Westphal: „Mich faszinieren die unterschiedlichen Wirklichkeitsebenen. Filze ich bereits verstorbene Künstler gibt es mir das Gefühl, dass ich sie in gewisser Weise wiederbelebe. Letztlich jedoch möchte ich mit dem was ich tue, Menschen in ihrer Seele zu berühren.“

 

Vita

Seit 2006
Freie Künstlerin in Berlin und Potsdam

2003–2005
Freie Künstlerin in USA; Leitung von Kunstprojekten am Westport Artscenter, CT, USA; Mehrmonatiger Aufenthalt zu Filz- und Papiertechniken in New Mexiko

1996–1998
Studium der Freien Malerei an der HBK Saar bei Prof. Bodo Baumgarten

1990–1994
Kunststudium in Köln

1971
Geboren in Trier
Ausstellungen

2020
Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur,Brandenburg

2019
Supalifekiosk, Berlin Kunstraum, Potsdam
Art Week, Berlin

2018
Art Camp I and II, Potsdam
Private Art Collection, New York, USA

2017
Affordable Art Fair Hamburg
Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Potsdam
Cornelsen Verlag, Berlin

2016
Rechenzentrum, Potsdam
Freiheit in Soeht.7, former women´s jail Lichterfelde, Berlin
KunstBoulevard Steglitz, Berlin
Bundesfinanzministerium Berlin
Verband Deutscher Lokalzeitungen, Berlin

2015
»We are all human«, Blond & Blond Contemporary, Berlin
Kommunale Galerie/3 Tage Kunst, Berlin
Kunst.Raum.Steglitz, Berlin
KunstBoulevard Steglitz, Berlin

2014
Kommunale Galerie/3 Tage Kunst
Berlin Art Week, certreten durch die Galerie weartberlin

2013
Städtisches Klinikum Brandenburg

2012
Galerie Berlin-Baku, Berlin;
»Dialogue of Colors«, Direktorenhaus, Berlin
Jubiläumsausstellung Galerie Berlin-Baku, Berlin

2005
Carriage Barn Gallery,New Canaan, USA

2004
Westport Artscenter, USA

2002
»Handgreiflichkeiten«, Kant Dreieck, Berlin

2001
DaimlerChrysler, Potsdamer Platz, Berlin

2000
Visionen 2000, Bad Kissingen
Noris Bank, Friedrichshain, Berlin

1999
»Malerei auf nichttraditionellen Untergründen«,
Centro des Artes, Brasilien

1998
»Akt-Zeichen/Zeichen-Körper«, Ministerium für Wirtschaft/Finanzen Saarbrücken

1997
»Körpersprache«, Brüderkrankenhaus, Trier

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