Autorin: Kathrin Behrens, 12. März 2020 •

Denken Sie an ein Bild und halten Sie inne. Was sehen Sie? Sie werden spontan ein rechteckiges Bild vor Augen haben. Dies entspricht unserer Sehgewohnheit, aus der wir nur selten herauskatapultiert werden. Susanne Ramolla jedoch hat sich genau dies zur Aufgabe gemacht: Die Künstlerin überrascht in ihrer Serie „Stillehalten“ mit einem kreisrunden Format, „Tondo“ genannt.

Wer Susanne Ramollas Tondos sieht, wird sie nicht wieder vergessen. Ihre Figuren, die springen, boxen oder zu tanzen scheinen, tragen eine sehr individuelle Handschrift und verlässlich erdige Farben. Etwas zieht den Betrachter in den Bann und fordert seine Auseinandersetzung: Es ist der Moment, an dem man nicht weiß, was genau man abgebildet sieht, aber zu ahnen scheint, was es sein könnte. Ramolla hält mit malerischen Mitteln gestoppte Bewegungen fest – abstrakt, fließend, ohne feste Kontur.

Wer die Künstlerin fragt, wo sie die Inspiration für diese Malerei gefunden hat, erhält eine reflektierte Antwort: „Die Idee einer runden Serie hatte ich schon lange im Kopf. Seit jeher üben Zeitlupenaufnahmen auf mich eine gewisse Magie aus. Als ich irgendwann zufällig auf Bewegungsmodelle des Briten Eadweard Muybridge stieß, war ich fasziniert von seiner konsequenten Forschungsarbeit über Mechanik bei Mensch und Tier.“ Ramolla brachte damit zwei Aspekte zusammen: „Das Rund als gefühlte Drehscheibe war das perfekte Format, um meine Figuren darauf innehalten zu lassen“.

Tondo_Springer

Susanne Ramolla I Springer I 62 cm Durchmesser I Schellack, Asphaltlack und Lack auf Acryl

Der Fotograf, von dem sie spricht, galt im 19. Jahrhundert als Pionier der Chronografie, der genauen fotografischen Widergabe der Bewegung. Seine Serienbildtechnik, ein Vorläufer der Filmkamera, wurde mit dem Motiv eines galoppierenden Pferdes berühmt. Ebenso wie seine Bilder, halten Ramollas Tondos die Flüchtigkeit des Augenblicks fest, jedoch in Schellack, Asphaltlack und Pigment auf Acrylplatten. So klar umrissen das Konzept der Potsdamerin, so experimentell entstehen ihre Tondos: „Ich gehe die Arbeit relativ frei an, trage Lacke und Farben auf und lasse sie – ähnlich dem Aquarell – zunächst fließen, nur um dann regulativ einzugreifen. Letztendlich ist das finale Werk ein Zusammenspiel von bewusst gesteuertem Malprozess und Zufall.“

Susanne Ramolla ist in Cottbus geboren, kam 1989 zum Studium des Farb- und Oberflächendesigns nach Potsdam und studierte anschließend Freie Malerei an der Akademie für Kunst und Industrie AKI in Enschede/Niederlande. In den vergangenen Jahrzehnten ist Potsdam zu ihrem zentralen Lebens- und Arbeitsort geworden. Ramolla: „Ich bin ein neugieriger Mensch. Es inspiriert mich selbst zu sehen, wie sich in meinen Arbeiten Material und Technik miteinander verbinden und zu einem fertigen Werk entwickeln. Ich selbst sehe meine Arbeiten als gesteuerte Zufälle.“

Die Potsdamer Künstlerin arbeitet seriell: Neben „Stillehalten“ gibt es weitere abgeschlossene Serien, die Phasen ihres Schaffens repräsentieren. Sie schlägt dabei immer wieder neue Seiten auf, mit denen sie ihren eigenen schöpferischen Prozess auslotet und absteckt. Ramolla: „In der letzten Zeit habe ich mich auch an Plastiken herangewagt. Es bleibt spannend, soviel ist sicher“.

Die Tondos von Susanne Ramolla sind bis zum 18. April zu sehen bei uns in der Sprungbrett Galerie in der Charlottenstraße 86, 14467 Potsdam.

 

Vita

Ausbildung

1989 – 92  Studium Farb- und Oberflächendesign, Fachhochschule Potsdam
1989 – 92  Freie Malerei, Akademie für Kunst und Industrie AKI, Enschede, NL
2001 – 01  Studium Multimedia Design, Akademie für Digitale Medien, CIMdata
Berlin

Gruppenausstellungen I Auswahl

2019
RealitätsCHECK, Kunstraum Potsdam  • Galerie BVBK, Potsdam
2018
Kunstraum Potsdam, Jahresgaben • Galerie BVBK, Potsdam
2017
ART Brandenburg, Potsdam
2016
Galerie Sperl, Potsdam • GILKA Parkours, Tankhalle, Wiepersdorf/D
2015
ART Brandenburg, Potsdam
2013
Kunstraum, Made in Potsdam • Brandenburgischer Kunstpreis, Schloss Neuhardenberg
2010
Heimatfestival, Potsdam
2007
Kunstpanorama, Heimatflimmern, Luzern/Schweiz • Cabildo Correspondence, Montevideo/Uruguay
2006
Brandenburgischer Kunstpreis, Schloss Neuhardenberg / D
2005
Torhaus Wellingbüttel, Hamburg • Kulturministerium Potsdam •
Galerie Sperl, Potsdam • ART Brandenburg Kunstmesse, Potsdam
2004
Gerhardt – Hauptmann-Museum, Berlin
2003
Kabinett des Städtischen Museum Junge Kunst, Vergessene Werte,
Frankfurt/O / D
2002
Angela Novus, Peruggia/I • Galerie im Waschhaus, Potsdam
2001
Ticket Galerie, Preußen, Potsdam • Städtische Galerie Fürstenwalde,
Position III – 4 Frauen aus Deutschland
2000
Künstlerforum Bonn
Soloausstellungen

2019
Friedrich-Naumann-Stiftung Potsdam
2017
Kunstraum Potsdam (mit Alex Lebus / Berlin)
2013
TAZ Container / Potsdam
2009
Galerie KJPD Thurgau, Weinenden / Schweiz • Galerie Domaine Savary de Beauregard / F
2008
Kunstverein Celle e.V. /D
2005
Intergalerie Potsdam / D
2003
Galerie Zeisler, Berlin • Galerie im Gewerkschaftshaus / Potsdam
1999
Kunsthaus Erfurt • Konrad Adenauer-Stiftung, Schloß Wandgräben
Galerie im Waschhaus mit Frank Gaudlitz, Potsdam

Stipendien

2018
Atelierstipendium des Kulturministerium Potsdam
2016
Residenzstipendium der Stiftung Kulturfonds / Schloß Wiepersdorf
2007
Preis der Batuz-Foundation, Reise und Ausstellung im Cabildo de
Montevideo, Uruguay
2005
Residenzstipendium des VCCA, Virginia / USA
2004
Residenzstipendium der Stiftung Kulturfonds / Schloß Wiepersdorf
1997
Residenzstipendium der Ostdeutschen Sparkassenstiftung, Burg
Beeskow/Brandenburg
1996
Arbeitsstipendium des Kulturministerium Potsdam

 

Publikation

2017
Susanne Ramolla – Paare & Passanten / Herausgeber Edition
Kunstraum Potsdam
1999
Susanne Ramolla – Malerei / Herausgeber Ostdeutsche
Sparkassenstiftung, Michel Sandstein Verlag, Dresden

Lehrtätigkeit

seit 2011    Malerei & Grafik Honorardozentin Kunstschule Potsdam

Arbeiten in öffentlichen und privaten Sammlungen

 

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