Autorin: Kathrin Behrens, 29. April 2020 •

Corona hat unser kulturelles Leben für viele Wochen zum Stillstand gebracht. Finanziell gesehen war dies für viele Künstler ein Desaster, da alles geschlossen hatte, das ihnen zum Gelderwerb gereicht: Museen, Messen und Galerien. Noch immer ist ungewiss, wie es weiter geht. Dunkle Zeiten? Ja und nein, Krisen schaffen auch Freiraum für Kreativität und sehr viele neue Impulse, die verarbeitet werden wollen. Das zeigt unsere „CoronART“ Aktion.

Kurz nach Beginn des Lockdowns hatten wir unsere Künstler gebeten, Sonder-Editionen zu erstellen: Kleine Formate, ganz individuelle Interpretationen der Isolation in diesem besonderen Frühling 2020. Oder einfach Bilder, die aus der Stimmung heraus entstehen. „Wir waren überwältigt, wie positiv die Rückmeldung war“, erzählt Sandra Schindler, eine der Gründerinnen von Sprungbrett und ergänzt: „Viele Künstler haben gleich mehrere Werke geschaffen. Es war zudem sehr spannend zu sehen, wie individuell die Situation interpretiert wurde.“

Allan_Paul_Gefühlte Realität

Eine Arbeit zeigt in Acryl auf Papier zwei moderne Frauen auf einer mit wenigen Linien angedeuteten Straße, eine von beiden läuft scheinbar eilig, die andere verweilt. Das Bild der Künstlerin Brigitte Pruchnow signalisiert, dass es weiter geht. Der Mundschutz, den beide tragen, scheint bereits ebenso alltäglich wie der Coffee-to-Go-Becher, den die laufende Frau selbstverständlich in der Hand hält. Ein weiteres sehr abstraktes CoronART-Werk mit dem Titel „Gefühlte Realität“ stammt von dem Potsdamer Allan Paul, es strahlt Bedrohung aus. Aggressiv rot leuchtet das Acryl auf Leinwand, feste Pinselstriche in weiß und schwarz sowie Kratzer, unterstreichen das, was auf dem Bild zu lesen ist, „Angst“. Eine Bleistift-Zeichnung vom Berliner Künster Constantin Schroeder heißt nicht nur „Isolation“, sie zeigt diese auch: Ein von Einsamkeit gezeichneter Mann sitzt sinnierend in einer Wanne und schaut scheinbar ins Nichts. Diesem Bild fehlt jegliche Bewegung, das fasziniert. Auch Christoph Brandls Fotografie „Life in Times of Corona“ lebt von seiner Leblosigkeit: Ein Blick vom Balkon auf einen kleinen Stadtpark, dessen Bänke leer sind. Einzig orangefarbene Mülleimer und neongrüne Markisen, die in die Szene hereinragen, wirken trotz allem kraftvoll.

Constantin_Schroeder_Iolation_2723

Brandl_Life in Times of Corona I, 30x22,5 cm

Es kommt nicht von ungefähr, dass das chinesische Schriftzeichen für „Krise“ aus zwei Teilen besteht, der eine symbolisiert Gefahr, der andere Chance. Sandra Schindler: „Auch wenn der Kunst vorübergehend ihre Plattform entzogen wurde, so atmet sie doch weiter und bedient sich neuer Ausdrucksformen, die für diese Corona- Monate stehen.“

Wir zeigen die Sonder-Editionen während des Shutdowns auf Facebook und Instagram, wo sie für 300 Euro angeboten werden. Seit dem 28. April 2020 ist die Galerie in der Charlottenstraße 86 wieder geöffnet. Wer sich für die CoronART-Werke interessiert, kann sich diese dort anschauen – zumindest jene, die noch nicht verkauft sind.

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