Autorin: Kathrin Behrens, 11. Mai 2020 •

Unsere Welt ist vielfältig, bunt, manchmal verrückt. Jeder weggeworfene Becher, ein liegengebliebener Schuh im Park, alles erzählt eine Geschichte. Künstler finden hierin oft Inspiration, Eindrücke, die verarbeitet werden wollen. Bei Allan Paul ist das anders. Nicht die Umwelt, sondern die Seele gibt den Anstoß für seine Kunst. „Meine Bilder entstehen von innen nach außen“, sagt der in Potsdam lebende Vater von zwei Kindern. „Ganz aus mir heraus entwickelt sich eine Frage, mit der ich mich mit Pinsel und Farbe auseinandersetze.“

AllanPaul_Gehirnwäsche_ ÖlundAcrylaufLeinwand_2018_100x100cm

Allan Pauls Bilder sind von Empfindungen geprägt, sie entstehen in Etappen. Immer wieder lässt er sie über Wochen, Monate oder auch Jahre stehen, bis er sie vollendet. Paul: „Ich fange oft mit Schrift an, bringe damit meine Gedanken auf die Leinwand, arbeite dann mit Acryl weiter, das ich später meist vollständig mit Öl übermale.“ Wie in den Kopf schießende Gedanken fügen sich Fragmente auf seinen Werken zu einer ausdrucksstarken Komposition zusammen, Schicht für Schicht. Farben spielen eine wichtige Rolle und der Betrachter scheint mit ihnen die Stimmungen des Künstlers zu absorbieren. Mal wirken seine Werke wütend bis bedrohlich und lassen bewegte Seelenlagen vermuten, mal kommen sie feurig, optimistisch und munter daher. Immer jedoch sind sie durchdringlich und nicht mit einem Blick erfassbar. Paul: „Mir ist es wichtig, dass meine Bilder nicht jedem gleich Antworten liefern. Ich arbeite darauf hin, dass sich der Betrachter mit meinen Inhalten auseinandersetzen und immer wieder Neues findet.“

Aktiver Akteur der Potsdamer Kunstszene
Allan Paul lebt seit fast einem Jahrzehnt in Potsdam und ist in dieser Stadt etabliert, als hätte er schon immer hier gewohnt. Seine Schulzeit verbrachte der 1975 in Bielefeld geborene Künstler in Lübeck, wo er zunächst Sozialpädagogik studierte. Nach einem Schlüsselerlebnis begann er nach einer Neuorientierung 2011 am Institut für Kunsttherapie Berlin-Brandenburg in Jüterbog eine kunsttherapeutische Ausbildung, die seinem Leben eine Wende gaben. Es folgte ein Studium im Bereich Malerei und Illustration an der Schule für Bildende Kunst und Gestaltung Berlin bei Professor Wulff Sailer, dessen Einfluss ihn nachhaltig prägte. Heute genießt er Potsdam als ruhenden Pol neben der pulsierenden Metropole Berlin, die er als „unklar“ empfindet. Seine Energien widmet er lieber der brandenburgischen Hauptstadt, hier hat er auch das „Art Camp“ etabliert – ein Kunsthappening auf dem Gelände der Villa Franke, das in der Region seine Kreise und über 2.000 Besucher anzieht. Das vierte Art Camp musste jüngst aufgrund von Corona verschoben werden. Aber Paul fällt nicht ins Leere, sondern auf eines seiner weiteren Aktivitäten zurück. In der Jägerstraße hat er zusammen mit der Künstlerin Nadine Conrad Anfang des Jahres das „Panama“ gegründet – ein Konzept aus Galerie, Laden und Mitmachtatelier für Erwachsene und Kinder. Seit Februar ist er Künstler im Repertoire von Sprungbrett, wo seine bewegten Bilder digital zu sehen und zu erwerben sind.

Allan Paul_en_ 2019_ÖlaufHolzplatte_ 130x75cm 

Vita
1975 in Bielefeld geboren
1982-1995 Schulzeit in Lübeck
2000-2004 Studium der Sozialpädagogik/Sozialarbeit in Lüneburg
2011-2012 Kunsttherapeutische Ausbildung in Jüterbog am Institut für Kunsttherapie Berlin-Brandenburg
2014-2016 Studium im Bereich Malerei und Illustration an der „Schule für Bildende Kunst und Gestaltung Berlin“ – Abschlussarbeit „ Freischwimmer“ bei Prof. Wulff Sailer
2018 Gründung des ArtCamp Potsdam mit Nadine Conrad
2018 Gründung des „ProjektPanama“ mit Nadine Conrad
Lebt und arbeitet seit 2016 freischaffend in Potsdam und Werder (Havel).

Personalausstellungen:
„Farbgewitter“, 02/2020, Kunstwerk, Offener Kunstverein Potsdam, mit Julia Brömsel
„Panama“, 02/2020, Kunstgeschoss Werder, mit Julia Brömsel und Nadine Conrad
„Chris Hinze und Allan Paul in der Knaack“, 10/2019, Galerie Knaack 43, Berlin
„Contrast“, 08/2019, Villa Francke, Potsdam, mit Justine Otto, Nadine Conrad, Dimitra Bouritsa
„Aus der Menge herraus“, 05.05.2018-26.05.2018, Galerie Anna von Glasow , Ludwigsfelde OTGröben
„Keine Religion, Keine Politik, Nur Kunst“ in Zusammenarbeit mit Nadine Conrad, 14.12.201 – 30.12.2017, Kosmos/Rechenzentrum , Potsdam
„Goldene Zeiten“, 16.06.17 – 21.07.2017, Galerie Woyy , Berlin
„Auf der Durchreise“, 26.04.2017 – 17.05/2017 , Galerie Stewner, Lübeck
„Radikale Empathie/ Totale Ambivalenz“, 18.11.2016 – 31.01.2017, Galerie 11- Line, Potsdam
„Auf der Suche“, 24.06.2016 – 17.07.2016, Kunstwerk, Offener Kunstverein e.V. Potsdam Land Brandenburg, Potsdam

Ausstellungsbeteiligungen:
08/2019, „Artcamp 3 “, Villa Francke, Potsdam
07.12.2018 – 09.12.2018, Artcamp 2 Potsdam, Villa Francke, Potsdam
26.10.2018 – 28.10.2018, Artcamp 1Potsdam, Villa Francke, Potsdam
05.10.2018 – 07.10.2018 Heimwaerts Festival, Paulikloster, Brandenburg
04.05.2018 – 27.05.2018, Werkstadtreligion, Rechenzentrum, Potsdam
29.09.2017 – 01.10.2017, Heimwaerts Festival, E-Werk, Brandenburg
09.09.2016 – 13.10.2016, Achtzig-Galerie für Zeitgenössische Kunst, Berlin
26.02.2016, Absolventenausstellung SBKG, WBB Willner, Brauerei, Berlin

 

Kommentar verfassen